Fehler, die ich am Anfang gemacht habe
- Xaviera Bollin
- 10. Mai
- 4 Min. Lesezeit
In 15 Jahren Schmuckfertigung als Beschäftigung lernt man viel. Und man macht natürlich auch einige Fehler, um dann daraus zu lernen.
Heute möchte ich euch von ein paar meiner Fehler erzählen, damit Ihr sie vielleicht nicht machen müsst.
Ich habe am Anfang teile gekauft, die eigentlich nicht meinem Stil entsprochen haben, nur weil sie günstiger waren. Viel in Bronze, da es günstiger war als silberfarbene Teile und ich nun mal nicht viel Geld hatte. Lieber Wachsperlen anstatt Glasperlen, weil ich mehr davon für den gleichen Preis bekam.
Allerdings hat das dazu geführt, dass ich in eine Stilrichtung mit meinem Schmuck gerutscht bin, die mir eigentlich gar nicht entsprach.
Ich trage nie bronzefarbenen Schmuck. Viele der Teile liegen noch heute in meinen Sortierboxen und werden nur sehr langsam verbraucht, nun da ich ein Gewerbe habe und Schmuck für andere herstelle. Einige Teile habe ich verschenkt oder letztendlich entsorgt, da ich mir sicher war, dass ich sie nicht mehr verwenden werde.
Lieber hätte ich weniger Teile kaufen sollen, die mir entsprechen und die ich auch tragen werde, als nur auf Preis und Menge zu achten.
Das gleiche gilt für Teile, die ich gekauft habe, einfach um sie zu haben, ohne zu wissen, was ich daraus machen soll.
Es kann super sein, Teile zu kaufen, für die man nur eine grobe Richtung weiß, aber ich habe so viel gekauft, nur weil ich mir dachte „achja vielleicht kann ich das irgendwann gebrauchen“.
Mit der Zeit wird man wählerischer, aber wenn man dann schon vor einem Zimmer voll mit Krimskrams sitzt, ist es schwierig.
Heute kaufe ich nur noch das, von dem ich mir sicher bin es auch verwenden zu können.
Etwas in das es sich von Anfang an zu investieren lohne, wenn man merkt man möchte dieses Hobby weiterführen, sind gute Zangen.
Es braucht keine große Auswahl an Zangen. Für die meisten Teile nutze ich auch heute noch nur drei Zangen: eine Rundzange, eine Flachzange und einen kleinen Seitenschneider für Schmuck.
Es lohnt sich in gute Zangen zu investieren, wenn man sie nicht alle zwei Jahre austauschen möchte, da sie nicht mehr grade schließen oder der Seitenschneider stumpf ist.
Besonders mit günstigen Rundzangen bekommt man beim Ösen biegen schnell Blasen an den Fingern.
Auch kann man sich überlegen in One-Loop-Zangen zu investieren, welche mit über 30€ pro Zange jedoch nicht günstig sind. Wenn man gut damit umgehen kann, können Sie Projekte erleichtern, in dem man viele Ösen drehen muss.
Jedoch ist Vorsicht geboten, wenn man mit Glasperlen arbeitet, denn setzt man zu nah an der Perle an und übt zu schnell zu viel Druck gegen die Perle aus bricht diese.Setzt man die Zange zu weit entfernt von der Glasperle an, um sie keiner Gefahr auszusetzen, hat man eine störende Lücke zwischen Öse und Perle, auf der sie herumrutschen kann.
Es lohnt sich also nach etwas besseren Zangen zu schauen, als hier das Geld zu sparen und die günstigsten zu kaufen.
Richtiger Kleber für die richtigen Verwendungen ist wichtig.
Ich habe am Anfang alles mit dem gleichen Kleber geklebt. Metallteile, Schmucksteine, Glitzersteine und Edelsteine, sowie folierte Feenflügel.
Dadurch musste ich die Erfahrung machen, dass mir einige Teile wieder auseinandergefallen sind.
Schmucksteinkleber ist gut um Glitzersteine, Glitzer, Schmucksteine und Edelsteine in Fassungen zu kleben.
Metallteile damit an andere Metallteile oder flexible Feenflügel damit zu kleben funktioniert aber nur schlecht, da der Kleber bei Bewegung bröselig wird.
Für Metallteile nutze ich E6000 Industriekleber. Achtet dabei jedoch auf gute Belüftung, denn dieser Enthält einige Lösungsmittel.
Für Flexiblere Teile, wie z.B. die Feenflügel nutze ich Schuhsohlenkleber.
Aber auch hier ist Vorsicht geboten und ihr solltet vorher den Kleber testen, denn nicht alle trocknen klar.
Einige Schuhsohlenkleber trocknen gelb und können somit ein ganzes Teil unbrauchbar machen.
Natürlich kann man, wenn es schnell trocknen muss auch Heißkleber nutzen, jedoch hat dies auch einige Nachteile:
-Er ist nicht hitzebeständig, also können sich Teile lösen, wenn es in der Sonne oder einem heißen Auto liegt
- Metallteile, Steine und Folien kleben oft nicht gut, da sie zu glatt sind
-Man muss immer viel nacharbeiten, denn Heißkleber zieht gerne Fäden
-Nutzt man zu viel quillt der Kleber über und hinterlässt offensichtlich zu sehende Klebestellen
-Natürlich gibt es immer die Gefahr sich am Kleber zu verbrennen. Auch diese Erfahrung musste ich schmerzlich machen, auch wenn ich schon jahrelang damit gearbeitet habe.
Auch nach 15 Jahren lerne ich noch ständig dazu. Genau das ist für mich das Schöne am kreativen Arbeiten: Man entwickelt sich immer weiter, entdeckt neue Techniken, neue Materialien und manchmal auch neue Fehler, aus denen man wieder etwas lernen kann.
Viele meiner heutigen Lieblingsstücke wären wahrscheinlich nie entstanden, wenn ich nicht vorher so viele Dinge ausprobiert hätte, die nicht funktioniert haben. Fehler gehören zum kreativen Prozess dazu und sind kein Zeichen dafür, dass man untalentiert ist oder etwas falsch macht. Sie bedeuten nur, dass man lernt.
Deshalb möchte ich euch vor allem eines mitgeben: Lasst euch nicht entmutigen, wenn eure ersten Schmuckstücke noch nicht perfekt aussehen. Meine waren es definitiv auch nicht. Wichtig ist nicht, perfekt zu starten, sondern überhaupt anzufangen und Freude daran zu haben, etwas Eigenes zu erschaffen.

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