Wo alles begann - vor 15 Jahren
- Xaviera Bollin
- 31. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Als ich 2011 angefangen habe, Schmuck zu machen, war ich arbeitslos und hatte nicht viel Geld.Gleichzeitig war ich tief in der Gothic-Szene verwurzelt – und umgeben von wunderschönem, opulentem Schmuck, den ich mir einfach nicht leisten konnte. Also habe ich das getan, was mir damals möglich war: Ich habe angefangen, selbst Schmuck zu gestalten.
Meine ersten Schmuckstücke entstanden aus ein paar Ketten, Glaswachsperlen und einfachen Anhängern. Alles in Bronze, weil dieses Material günstig war und gut verfügbar. Wenn ich heute auf diese Arbeiten zurückblicke, sehe ich sofort die Fehler: viel zu lange Ketten, zu viele Verbindungsringe, krumm gebogene Ösen. Rein handwerklich waren diese Stücke alles andere als perfekt – aber ich war unglaublich stolz. Denn sie waren mein Anfang.
Durch die bronzene Farbwelt bin ich zunächst unweigerlich ein wenig in die Steampunk-Richtung gerutscht. Doch schon bald wurde mir klar, dass dies nicht wirklich meiner Persönlichkeit entsprach. Ich wollte mehr Goth. Mehr Fantasy. Mehr Mystik, Dunkelheit und märchenhafte Elemente – all das, was mich schon seit meiner Kindheit begleitet.
(Bilder oben ca 2012)
Über viele Jahre hinweg habe ich fast ausschließlich mit günstigen Materialien gearbeitet. Ich habe bei Tedi und ähnlichen Läden eingekauft, Pappe mit Filz beklebt, um mir daraus einfache Basen für Headpieces zu bauen, und ständig improvisiert. Doch genau darin lag auch der Zauber: Das kreative Arbeiten hat mir so viel Freude bereitet, dass es irgendwann gar nicht mehr darum ging, die Schmuckstücke selbst zu tragen. Es ging ums Erschaffen.
Ich habe viel Schmuck verschenkt oder für Arbeitskolleg:innen angefertigt, nachdem ich wieder einen Job hatte. Zwischen 2013 und 2015 war mein Leben jedoch sehr unstet, geprägt von kurzen Arbeitsverhältnissen und einer Zeit, in der es mir psychisch nicht gut ging. Das Basteln und Gestalten von Schmuck war in dieser Phase ein Anker. Etwas, das mir Halt gegeben hat – etwas, das sich richtig angefühlt hat, auch wenn vieles andere schwierig war.
(Bilder oben 2016)
2016, nach einer Therapie, begann ich mein Leben neu zu ordnen. In dieser Zeit fand ich auch zur Fantasy-Fotografie – und plötzlich bekam mein Schmuck einen ganz neuen Sinn. Opulenter Fantasy-Schmuck, Kopfschmuck, Ketten und Accessoires wurden zu wichtigen Elementen für Fotoshootings. Sie halfen dabei, Charaktere, Welten und Geschichten sichtbar zu machen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir endlich hochwertigere Materialien leisten und meine Arbeiten auf ein neues handwerkliches und ästhetisches Level bringen. Das Wissen und die Fähigkeiten hatte ich mir über Jahre hinweg bereits aufgebaut – ebenso wie eine stetig wachsende Sammlung an Materialien und selbst gefertigten Schmuckstücken.
2020 war es schließlich mein Mann – gemeinsam mit einigen Freundinnen –, der mich dazu ermutigte, ein Gewerbe anzumelden und meine handgefertigten Schmuckstücke offiziell zu verkaufen. Sein Argument war ebenso simpel wie wahr: Ich würde all die Dinge, die ich erschaffe, niemals selbst tragen oder ausschließlich für Fotoshootings verwenden können.
(Bilder oben 2020)
Mein Stil hatte sich zu diesem Zeitpunkt klar im Bereich Fantasy-Schmuck etabliert. Gleichzeitig kehre ich bis heute immer wieder zur Gothic-Ästhetik zurück, denn sie ist ein Teil von mir. Genau dort fühle ich mich zu Hause – zwischen Gothic und Fantasy, oft miteinander verwoben, mal düster, mal märchenhaft.
Mittlerweile besuche ich regelmäßig kreative Messen, habe viele wunderbare Menschen in der Fantasy Szene kennengelernt und stelle seit 2022 auch regelmäßig auf Events aus.

Ich liebe es bis heute, neue Techniken auszuprobieren, mich weiterzuentwickeln und künstlerisch zu wachsen. Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, erschaffe ich Schmuckstücke, auf die ich mit Stolz schauen kann – nicht, weil sie perfekt sind, sondern weil sie das Ergebnis vieler Jahre Leidenschaft, Lernen und Durchhalten sind.
Das kleine Mädchen, das ich einmal war – das schon früh eine Faszination für das Düster-Schöne und Märchen hatte und davon träumte, so zu sein wie Morticia Addams – wäre begeistert davon, solche Stücke sehen zu können und zu wissen, dass ich das geschaffen habe.
(Bild oben 2026)
Und genau dieses Gefühl möchte ich auch meinen Kund:innen schenken: das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.


















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